Ein kleiner Stopfen kann Schlimmeres verhindern

Gerade kurz vor Karneval herrscht in Kneipen und Diskotheken Hochbetrieb. Damit steigt auch der Missbrauch von sogenannten K.o.-Tropfen. Immer öfter geraten Fälle an die Öffentlichkeit, in denen Menschen durch K.o.-Tropfen unbemerkt in einen willen-und hilflosen Zustand versetzt wurden, um anschließend Raub- oder Sexualdelikte an ihnen zu begehen. Insbesondere im Umfeld von Diskotheken und Kneipen wurde eine erhöhte Fallzahl gerade bei weiblichen Opfern festgestellt.

Aus diesem Grund startete die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) Aachen gemeinsam mit der AsF Kreis Aachen, den SPD-Ortsvereinen Aachen-Mitte und Ponttor, den Jusos Stadt und Kreis Aachen sowie der Juso-Hochschulgruppe die Informationskartenaktion „Leitfaden für Freunde“. Ziel der Aktion in der StädteRegion Aachen war es, das Bewusstsein für die Gefahr von K.o.-Tropfen so zu schärfen und über notwendige Handlungsabläufe im Sinne der Opfer zu informieren.

Aus diesem Grund haben die Verantwortlichen einen Flyer mit dem Titel „Nicht abtauchen, anpacken“ entworfen, in dem erklärt wird, wie Betroffene und Freunde sich bei einem K.o.-Tropfen-Verdacht so verhalten, dass das Opfer best- und schnellstmögliche Hilfe erhält. Da K.o.-Tropfen sehr schnell vom Körper abgebaut werden, sollte möglichst direkt eine Blut- und Urinprobe entnommen werden. Diese Flyer haben AsF und Jusos jetzt an einem Januar-Wochenende in der Aachener Pontstraße und Diskotheken in der StädteRegion an junge Erwachsene und weitere Interessierte verteilt. Die Aktion stieß auf großes Interesse und viele Menschen konnten in guten Gesprächen über die Gefahr von K.o.-Tropfen aufgeklärt werden.

Zusätzlich zu der Informationskarte haben die mitwirkenden SPD-Gruppierungen außerdem von AsF und Jusos finanzierte „Spikies“ verteilt. Diese Plastikstopfen werden auf Flaschen gesteckt und bieten von oben nur eine Öffnung für einen Strohhalm und dienen damit als Flaschenschutz vor K.o.-Tropfen.

K.o.-Tropfen sind Substanzen, die ahnungslosen Frauen und Männern heimtückisch ins Getränk gemischt werden mit dem Ziel, das Opfer wehrlos zu machen. Meistens handelt es sich bei den Tropfen um GHB. K.o.-Tropfen sind farb- und geruchslos. Meist werden die Tropfen in ein offen stehendes Getränk gegeben, so dass Betroffene sie meistens auch nicht schmecken können. Ziel sind sexuelle Handlungen – von Nacktfotos bis zu Vergewaltigungen – und Raub.

„Anfragen bei Hilfsinstitutionen in Aachen, Köln, Bonn und Bielefeld haben ergeben, dass acht bis zwölf Fälle pro Jahr in der jeweiligen Hilfsinstitution registriert werden. Die Dunkelziffer wird jedoch viel höher geschätzt“, weiß Daniela Jansen, Vorsitzende der AsF Stadt Aachen. Abhängig von der körperlichen Verfassung des Opfers, der Dosierung der Tropfen und der Kombination mit anderen Rauschmitteln (z.B. Alkohol) führt die Einnahme von K.o.-Tropfen zu motorischen Störungen, Unwohlsein und Übergeben, Bewusstseinsbeeinträchtigung sowie Gedächtnisverlust.

Neben der Informationskampagne setzen sich AsF und Jusos außerdem dafür ein, dass die Thematik K.o.-Tropfen in Fortbildungsseminaren des Rettungswesens sowie von Gastronomie und Sicherheitsunternehmen innerhalb der StädteRegion Aachen aufgenommen wird. Die Organisatoren haben daher entsprechende Infoschreiben an Rettungsdienste, Krankenhäuser sowie Schülervertretungen und Jugendtreffs versendet, um damit das Bewusstsein für die Thematik zu schärfen. Weiterhin soll politisch Druck aufgebaut werden, einheitliche Verfahren (zur Spurensicherung und –lagerung) landesweit zu initiieren und das Rettungspersonal der Städteregion weiter dahingehend auszubilden.

Denn: „Damit die Verabreichung von K.o.-Tropfen schnellstmöglich nachgewiesen und damit den Opfern geholfen wird, ist es wichtig, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen“, so Daniela Jansen. Das restliche Info-Material wird daher in den kommenden Wochen bei weiteren Ständen von AsF und Jusos verteilt.